XXIII. JOKIN ZAITEGI BEKA
Literatura Nobel Sariak euskaratzeko beka 2009
Arrasateko AED Elkarteak eta Elkar argitaletxeak, Kutxaren laguntzarekin, Jokin Zaitegi arrasatear idazlea gogoratzeko eta hark literatura unibertsala euskaratzen egindako ahaleginari jarraitzeko, XXIII. Jokin Zaitegi Sariketa antolatzen dute, aurtengo Literaturako Nobel saridunaren lana itzultzeko erabiliko dena, ondorengo oinarrien arabera:
1. 2009an Suediako Akademiak Herta Müller idazle errumaniar-alemanari eman dio Literaturako Nobel Saria, eta Jokin Zaitegi Sariketa honen helburua Müller-ek idatzitako Atemschaukel (Arnasaren kulunka) eleberria itzularaztea da.
2. Liburu hori itzultzeko gogoa eta gaitasuna dituen edonork har dezake parte lehiaketa honetan. Horretarako, obraren lehenengo orriak euskaratu beharko ditu, eta egindako lan horrexen hiru kopia bidali AED Elkartearen egoitzara (Pablo Uranga 4 behea, 20500 Arrasate), 2009ko abenduaren 18a baino lehen; ez da itzultzailearen izenik agerian jarriko, baina bai goiburu bat; itzultzailearen datuak eta telefonoa gutunazal itxi baten barruan adieraziko dira, eta sobre horren azalean goiburu bera errepikatu.
3. Lehen orri horiei dagokien jatorrizko testua antolatzaileek jarriko dute partehartzaileen esku, hauek eskatu ahala -telefonoz, idatziz nahiz e-mailez-. Internet bidez ere lortu ahal izango da testu hori, ondoko helbide honetan:
4. Joxe Austin Arrietak, Joxe Mari Berasategik eta Irati Marañonek osatutako epaimahaiak, jasotako itzulpenak aztertu eta haietako bat izendatuko du irabazle 2010eko urtarrilaren amaiera baino lehen.
5. Aurkeztutako lanek aski kalitaterik ez balute, saria hutsik utzi ahalko da. Kasu horretan, antolatzaileek aukera izango lukete itzulpen hori enkarguz norbaiti eskatzeko, bekako diru-kopuruaren truke.
6. Era berean, antolatzaileek aukera izango dute itzulpenerako proposatutako obraren ordez egile beraren beste lan bat hautatzeko, sariaren erabakia jakinarazi baino lehen, betiere. Lanaren luzeraren arabera egokituko litzateke sariaren dirua ere.
7. Irabazleak 5.500 euroko saria irabaziko du Atemschaukel (Arnasaren kulunka) eleberria osorik itzultzeko: diru erdia jakinarazpena egitean jasoko du, eta beste erdia lan amaitua entregatu ostean. Lan amaitua 2010eko irailaren 30a baino lehen entregatu beharko du Elkar argitaletxean. Epeak beteko ez balira, edo itzulpenaren kalitatea nabarmen txarra balitz (epaimahaiaren iritziz betiere), sariaren bigarren zatia jaso ez eta lehena itzuli egin beharko luke irabazleak.
8. Elkar etxeak -eskubideak aurrez eskuratuta- argitaratuko du Atemschaukel (Arnasaren kulunka) eleberria euskaraz, eta 2010eko Durangoko Azoka izango da hori egiteko epemuga. Ale guztietan nabarmen aipatuko da Jokin Zaitegi saria, baita itzultzailearen izena ere, zeinak ez baitu galduko bere lanaren gaineko jabetza. Antolatzaileez gain, Kutxa babesleak ere dagokion tokia izango du edizioan.
9. Sariketa honetan parte hartzeak bertako oinarriak ontzat ematea dakar. Berauen ulermenean zalantzarik sortuko balitz, antolatzaileei dagokie erabakitzea.
Harremanetarako:
liburuak@elkar.com 943310267
aed@aedelkartea.com 943771228
Ondoren eransten dizugu azken urteetako Nobel eta Zaitegi sarietako irabazleen zerrenda, baita aurten partehartzaileek itzuli beharreko lagina ere.
2002 Imre Kertesz: Zoririk ez
Itzultzailea: Urtzi Urrutikoetxea
2003 J.M. Coetzee: Lotsaizuna
Itzultzailea: Oskar Arana
2004 Elfriede Jelinek
Itzulpen saria hutsik utzi zen
2005 Harold Pinter: Maitalea eta beste antzerki-lan batzuk
Itzultzailea: Iñigo Errasti
2006 Orhan Pamuk: Elurra
Itzultzailea: Monika Etxebarria / Fernando Rey
2007 Doris Lessing: Belarra kantari
Itzultzailea Koro Navarro
2008 J.M.G. Le Clézio: Basamortua
Itzultzailea Luis Berrizbeitia
Vom Kofferpacken
Alles, was ich habe, trage ich bei mir.
Oder: Alles Meinige trage ich mit mir.
Getragen habe ich alles, was ich hatte. Das Meinige war es nicht. Es war entweder zweckentfremdet oder von jemand anderem. Der Schweinslederkoffer war ein Grammophonkistchen. Der Staubmantel war vom Vater. Der städtische Mantel mit dem Samtbündchen am Hals vom Großvater. Die Pumphose von meinem Onkel Edwin. Die ledernen Wickelgamaschen vom Nachbarn, dem Herrn Carp. Die grünen Wollhandschuhe von meiner Fini-Tante. Nur der weinrote Seidenschal und das Necessaire waren das Meinige, Geschenke von den letzten Weihnachten.
Es war noch Krieg im Januar 1945. Im Schrecken, dass ich mitten im Winter wer weiß wohin zu den Russen muss, wollte mir jeder etwas geben, das vielleicht etwas nützt, wenn es schon nichts hilft. Weil nichts auf der Welt etwas half. Weil ich unabänderlich auf der Liste der Russen stand, hat mir jeder etwas gegeben und sich sein Teil dabei gedacht. Und ich habe es genommen und mir gedacht mit meinen siebzehn Jahren, dass dieses Wegfahren zur rechten Zeit kommt. Es müsste nicht die Liste der Russen sein, aber wenn es nicht zu schlimm kommt, ist es für mich sogar gut. Ich wollte weg aus dem Fingerhut der kleinen Stadt, wo alle Steine Augen hatten. Statt Angst hatte ich diese verheimlichte Ungeduld. Und ein schlechtes Gewissen, weil die Liste, an der meine Angehörigen verzweifelten, für mich ein annehmbarer Zustand war. Sie fürchteten, dass mir etwas zustößt in der Fremde. Ich wollte an einen Ort, der mich nicht kennt.
Mir war bereits etwas zugestoßen. Etwas Verbotenes. Es war absonderlich, dreckig, schamlos und schön. Es passierte im Erlenpark ganz hinten jenseits der Kurzgrashügel. Auf dem Heimweg bin ich in die Parkmitte, in den runden Pavillon gegangen, wo an Feiertagen die Orchester spielten. Ich blieb eine Weile darin sitzen. Das Licht stach durchs feingeschnitzte Holz. Ich sah die Angst der leeren Kreise, Quadrate und Trapeze, verbunden durch weiße Ranken mit Krallen. Es war das Muster meiner Verirrung und das Muster des Entsetzens im Gesicht meiner Mutter. In diesem Pavillon habe ich mir geschworen: Ich komme nie mehr in diesen Park.
Je mehr ich mich davon abhielt, desto schneller ging ich wieder hin – nach zwei Tagen. Zum Rendezvous, so hieß das im Park.
Ich ging zum zweiten Rendezvous mir demselben ersten Mann. Es hieß DIE SCHWALBE. Der zweite war ein neuer, er hieß DIE TANNE. Der dritte hieß DAS OHR. Danach kam DER FADEN. Dann DER PIROL und DIE MÜTZE. Später DER HASE, DIE KATZE, DIE MÖVE. Dann DIE PERLE. Nur wir wussten, welcher Name zu wem gehört. Es war Wildwechsel im Park, ich ließ mich weiterreichen. Und Sommer war es und weiße Haut an den Birken, im Jasmin- und Holundergestrüpp wuchs die grüne Wand aus undurchdringlichem Laub.
Die Liebe hat ihre Jahreszeiten. Der Herbst machte dem Park ein Ende. Das Holz wurde nackt. Die Rendezvous zogen mit uns ins Neptunbad. Neben dem Eisentor hing sein ovales Emblem mit dem Schwan. Jede Woche traf ich mich mit dem, der doppelt so alt war wie ich. Er war Rumäne. Er war verheiratet. Ich sage nicht, wie er hieß, und nicht, wie ich hieß. Wir kamen zeitversetzt, die Kassenfrau in der Bleiverglasung ihrer Loge, der spiegelnde Steinboden, die runde Mittelsäule, die Wandkacheln mit dem Seerosenmuster, die geschnitzten Holztreppen durften nicht auf den Gedanken kommen, dass wir verabredet sind. Wir gingen zum Bassin mit allen anderen schwimmen. Erst bei den Schwitzkästen trafen wir uns.
Damals, kurz vor dem Lager und genauso nach meiner Heimkehr bis 1968, als ich das Land verließ, hätte es für jedes Rendezvous Gefängnis gegeben. Mindestens fünf Jahre, wenn man mich erwischt hätte. Manche hat man erwischt. Sie kamen direkt aus dem Park oder Stadtbad nach brutalen Verhören ins Gefängnis. Von dort ins Straflager an den Kanal. Heute weiß ich, vom Kanal kehrte man nicht zurück. Wer trotzdem wiederkam, war ein wandelnder Leichnam. Vergreist und ruiniert, für keine Liebe auf der Welt mehr zu gebrauchen.
Und in der Lagerzeit – im Lager erwischt, wär ich tot gewesen.
Ich streife nach den fünf Lagerjahren Tag für Tag durch den Tumult der Straßen und übte im Kopf die besten Sätze für den Fall meiner Verhaftung: AUF FRISCHER TAT ERTAPPT – gegen diesen Schuldspruch habe ich mir tausend Ausreden und Alibis zurechtgelegt. Ich trage stilles Gepäck. Ich habe mich so tief und so lang ins Schweigen gepackt, ich kann mich in Worten nie auspacken. Ich packe mich nur anders ein, wenn ich rede.
Im letzten Rendezvous-Sommer bin ich, um den Heimweg aus dem Erlenpark zu verlängern, auf dem Großen Ring zufällig in die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit gegangen. Dieser Zufall spielte Schicksal. Ich habe die kommende Zeit gesehen. Neben dem Seitenaltar auf einer Säule stand der Heilige im grauen Mantel und trug als Mantelkragen ein Schaf im Nacken. Dieses Schaf im Nacken ist das Schweigen. Es gibt Dinge, über die man nicht spricht. Aber ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, das Schweigen im Mund.
Vor, während und nach meiner Lagerzeit, fünfundzwanzig Jahre lang habe ich in Furcht gelebt, vor dem Staat und vor der Familie. Vor dem doppelten Absturz, dass der Staat mich als Verbrecher einsperrt und die Familie mich als Schande ausschließt. Im Gewühl der Straßen habe ich in die Spiegel der Vitrinen, Straßenbahn- und Häuserfenster, Springbrunnen und Pfützen geschaut, ungläubig, ob ich nicht doch durchsichtig bin.
Mein Vater war Zeichenlehrer. Und ich, mit dem Neptunbad im Kopf, zuckte wie von einem Fußtritt zusammen, wenn er das Wort AQUARELL benutzte. Das Wort wusste, wie weit ich schon gegangen war. Meine Mutter sagte bei Tisch: Stich die Kartoffel nicht mit der Gabel an, sie fällt auseinander, nimm den Löffel, die Gabel nimmt man fürs Fleisch. Mir pochten die Schläfen. Wieso redet sie vom Fleisch, wenn es um Kartoffel und Gabel geht. Von welchem Fleisch spricht sie. Mit hatten die Rendezvous das Fleisch umgedreht. Ich war mein eigener Dieb, die Wörter fielen unverhofft und erwischten mich.
Meine Mutter und besonders mein Vater glaubten, wie alle Deutschen in der Kleinstadt, an die Schönheit blonder Zöpfe, weißer Kniestrümpfe. An das schwarze Viereck von Hitlers Schnurrbart und an uns Siebenbürger Sachsen als arische Rasse. Mein Geheimnis war, rein körperlich betrachtet, schon höchste Abscheulichkeit. Mit einem Rumänen kam noch Rassenschande dazu.
Ich wollte weg aus der Familie und sei es ins Lager. Nur tat es mir um meine Mutter leid, die nicht wusste, wie wenig sie mich kennt. Die, wenn ich weg bin, öfter an mich denken wird als ich an sie.